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Erfahrung Schweigeretreat - Exerzitien...

Geistliche Exerzitien sind eine gewidmete Zeit, in der sich Einzelne oder eine Gruppen ausschließlich der Besinnung widmet. Das Herzenssache Schweigeretreat ist eine wunderbare Möglichkeit durch Schweigen die wahre Natur der eigenen Existenz direkt zu erfahren. Sandra Maria Schellander beschreibt in diesem Artikel ihre persönliche Erfahrung ihrer Exerzitien.

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Schweigereterat Exerzitien

Alle fragen: Und? Wie war´s in der Toskana? Ich habe bemerkt, dass ich unterschiedliche Antworten auf diese eine Frage gebe. Manchmal wird´s ein: „Sehr schön! Die Landschaft war traumhaft, das Wetter herrlich und das Essen einfach köstlich. Und erholt haben wir uns auch. Die Ruhe hat gut getan“.  Ein anderes Mal beginne ich zu erzählen, über all die Vorgänge und Prozesse in meinem Inneren und gerate ins Schwärmen, dass dieses Schweigen das Heilsamste war, was ich bisher auf meinem Weg gemacht habe. Und wieder ein anderes Mal schildere ich den Tagesablauf: 05:00 Morgenmeditation, 07:30 Morgentee, 08:30 Frühstück, 12:30 Mittagessen, 16:00 Tee, 17:00 „Gespräche mit Gott“ (das wird an anderer Stelle noch erläutert) und 19:30 Abendessen.
Tja, eine Frage und viele Versionen der Antwort, die aber alle für mich wahr sind. Sie beschreiben eben immer nur einen Ausschnitt der von mir erlebten Realität in dieser Woche in der Toskana. Es ist tatsächlich nicht leicht, jemandem das, was man erlebt hat in allen Facetten verständlich zu machen. Wie soll denn das auch gehen? Was ist das überhaupt für eine komische Erwartung, dass der andere verstehen soll, was man selbst erlebt?
Nun gut, ich will nun versuchen, Worte zu finden für diese Woche ohne Worte.

In dieser Woche erfuhr ich wohlige Stille, und ich erfuhr aufreibenden Lärm. Und das, obwohl im Außen konstant Ruhe herrschte. Der Lärm war verursacht durch Gedankenspinnerei und daran geheftete Gefühle. Das konnte ich erst durch die anhaltende Stille im Außen so richtig wahrnehmen. Erst, wenn es außen lange genug still ist, und man sich durch nichts abzulenken versucht, fällt einem auf, welche Verstandesmaschinerie man in seinem Kopf herangezüchtet hat. Erziehung, Schule und Job haben uns dabei tatkräftig unterstützt. Und es ist ja auch nichts schlechtes, nein, es ist sogar sehr praktisch, dieses Werkzeug eines scharfen Verstandes zur Verfügung zu haben. So wie es ja auch praktischer ist, mit einem scharfen Messer Tomaten zu schneiden als mit einem stumpfen ;-) Allerdings muss man beim scharfen Messer sehr Acht geben, sich nicht zu schneiden.   
Was also, wenn sich der Verstand in Dinge einmischt, die ihn gar nichts angehen? Wenn jeder Moment vom Verstand beobachtet und analysiert wird, wenn hochgeschaukelte Gedankenkonstrukte der Erfahrung des Seins scheinbar im Weg sind, und der ganze Kopflärm vom reinen Sein ablenkt?

Es machte mich unendlich traurig, als ich diesen Wahnsinn in mir erkannte. Die Tränen flossen ob all dieser verlorenen Momente, die plötzlich nichts wahrhaftiges mehr hatten. Was war echt in meinem Leben? Der Verstand ließ niemals etwas zu, was nicht durch seine Zensur ging. Wie unendlich traurig mich diese Erkenntnis machte. So viel gelesen, so viel getan, so viel gepredigt, und so wenig verstanden. Scham und Trauer überkamen mich, und ich war ganz klein. Aber wer war da gerade klein? Die Einsicht dazu kam am nächsten Abend bei den „Gesprächen mit Gott“ (also mit uns; tatsächlich ist Gott in uns damit gemeint). Dieser Termin war ein täglicher Fixpunkt, bei dem wir die Möglichkeit hatten, Fragen zu stellen, die wir bereits tagsüber, auf Zettel geschrieben, in eine Fragenbox werfen konnten, und die Matthias dann mit uns durchging. Halleluja, diese Gespräche hatten es in sich. Die Einsicht also, wer da am Tag vorher gerade so klein war, kam bei eben diesem Gespräch. Ich habe es wahrhaftig gespürt, wie übermächtig mein Verstand alles infiltriert und vergiftet. Doch er wollte dabei unerkannt bleiben. In dem Moment, als mir dieses Spiel des Verstandes im Herzen klar wurde, fühlte er sich ertappt, es war, als würde er sich ergeben, als würde ihm die ganze Kraft entzogen werden – er war es also, der so klein war in jenem Moment.

Nun ist ein bisschen Zeit seitdem vergangen, und ich durfte mich zurück im Schauspiel meiner Lebenssituation, einer Aufgabe stellen, bei der es galt, eine große Angst meines Egos zu überwinden. Dieser Teil meines Ichs haderte mit seinem Schicksal: „Warum gerade das? Gib mir irgendetwas anderes, egal was!“ Wahrscheinlich kennt das jeder Mensch: Die Themen und Aufgaben der anderen möchte man haben…  
Trotz des inneren Widerstands gegen diese Aufgabe, nahm ich eine gewisse Richtigkeit, eine Ordnung dessen, was da auf mich zukommen würde, wahr. Die Konfrontation mit dieser Angst durch immer wiederkehrende Geschehnisse im Außen, ist ein großes Geschenk. Ich empfinde das plötzlich wirklich so, und ich danke Gott unentwegt für das, was ist.
 Die Dankbarkeit aller Teilnehmer des Schweigeretreats an jedem Tag dieser Woche war sooo spürbar. Es war schön zu sehen, wie sich erwachsene Menschen über Kleinigkeiten freuten, wie Kinder. Jeder Bissen des wunderbaren italienischen Essens wurde mit so viel Achtsamkeit und Dankbarkeit gegessen. Jedes mal wenn Elisabeth in ihrer entzückenden Art mit dem Räucherwerk über das Areal klingelte, verneigten wir uns voll des Dankgefühls für die empfangene Räucherung.

Die unzähligen Dankesbriefchen an das gesamte Herzenssacheteam, die sich jeden Tag in der Fragenbox einfanden, spiegelten die tiefe Rührung aller wider, über den hingebungsvollen Dienst, welchen diese Menschen an uns leisteten. Es war ein großer Segen, inmitten dieser schönen Menschen und Teil dieser kollektiven Dankbarkeit zu sein. Noch nie zuvor hatte ich so etwas erlebt.
Danke.

In Liebe
Sandra

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